Am Samstag, den 20.05., fand für den Katastrophenschutzzug Mühltal der erste Ausbildungstag dieses Jahres statt. Der Tag stand ganz im Zeichen des Hochwasserschutzes.

Nach einer morgendlichen Unterrichtseinheit zum Thema „Fahren in Verbänden“, machten sich die zehn Übungsteilnehmer rund um Zugführer Horst Peterek auf in Richtung Gernsheim. Dort angekommen, erwartete die Teilnehmer neben einem gemeinsamen, leckeren Frühstück ein Vortrag zum Thema Hochwasserschutz und Deichkontrolle. Dabei referierte ein Kamerad der Freiwilligen Feuerwehr Gernsheim über das Hochwasser im Ried Ende Mai 2013. Besonders das Vorgehen und der Ablauf bei solchen Hochwassereinsätzen standen bei der Unterrichtseinheit im Vordergrund.

Nach diesem sehr anschaulich gestalteten Vortrag begann der praktische Teil des Tages. Zuerst wurde das besondere technische Equipment vorgestellt, dass zum Hochwasserschutz bei der Stützpunktfeuerwehr Gernsheim vorgehalten wird. In einem Hochregallager und zwei Abrollbehältern werden mehrere hundert, bereits gefüllte Sandsäcke und mehrere tausend noch zu befüllende Sandsäcke gelagert. Desweiteren werden noch andere Systeme zum Hochwasserschutz, wie der sog. „Quickdamm“ dort gelagert. Diese Art Faltbehälter wird mit Wasser, Sand oder Kies befüllt und verwendet, um schnell eine möglichst große Strecke gegen drohende Wassermassen abzudichten. Auch verschiedene Sandsackfüllmaschinen wurden vorgestellt, mit denen im Einsatzfall schnell große Mengen an Sandsäcken befüllt werden können.

Anschließend wurde mittels „Qickdamm“ und den altbewährten Sandsäcken ein gewisser Bereich auf dem Hof der Feuerwehr Gernsheim eingedeicht und mit Wasser befüllt. Hierbei wurde besonderes Augenmerk auf das möglichst effektive stapeln der Sandsäcke gelegt, um mit möglichst wenig Material eine möglichst große Abdichtung zu erzielen. Die verwendeten Sandsäcke mussten zuerst jedoch von den Kameraden befüllt werden, bevor sie zum Einsatz kommen konnten. Hierbei wurde auf die manuelle Befüllung ohne technische Hilfsmittel zurückgegriffen, um ein Gefühl zu vermitteln, welch ein Personal- und Zeitaufwand diese Arbeit mit sich bringt.

Für alle Teilnehmenden war es sehr eindrucksvoll, einmal persönlich zu erleben, welchen Wassermassen diese doch relativ einfachen Mittel standhalten können und wie viele Sandsäcke man tatsächlich für eine im Endeffekt doch relativ kleine Strecke benötigt.

Nach dem gemeinsamen Zurückbauen und Aufräumen folgte noch eine Besichtigung des Deiches entlang des „Winkelbachs“ in Gernsheim, der 2013 an mehreren Stellen an seine Grenzen geriet. Auch der Deich direkt am Rhein wurde begangen, um ein Gefühl für mögliche Schwachstellen und Einsatzszenarien zu entwickeln.

Abschließend konnte noch das Hilfeleistungslöschboot (kurz HLB) der Feuerwehr Gernsheim besichtigt werden, was den Übungstag sehr gut abrundete.

 

Die Feuerwehr Mühltal möchte sich auch auf diesem Wege noch einmal bei der Feuerwehr Gernsheim, insbesondere den beiden Kameraden, die diese abwechslungsreiche und interessante Ausbildungseinheit ermöglichten, bedanken!

 

Der Katastrophenschutzzug (KatS-Zug) Mühltal ist einer von 23 im Landkreis Darmstadt-Dieburg. Jede Kommune im Landkreis verfügt demnach über einen eigenen Zug, die sich dann wiederum in Verbänden mit anderen Kommunen zusammenfinden. Dem Mühltaler Zug sind vier Feuerwehrfahrzeuge quer durch die Kommune zugeordnet. Die Mitglieder des Katastrophenschutzzuges sind allesamt aktive Kameraden aus allen Mühltaler Wehren, die sich neben dem Einsatz- und Ausbildungsdienst in ihrer jeweiligen Ortsteilwehr für den Dienst im KatS-Zug bereit erklärt haben. Um für mögliche Katastropheneinsätze gut vorbereitet zu sein, sind von ihnen zahlreiche zusätzliche Ausbildungsstunden zu absolvieren.

Zum Einsatz kommen die KatS-Züge überregional im Katastrophenfall. Mögliche denkbare Einsatzszenarien sind Hochwasser, Waldbrände oder flächendeckende, länger andauernde Infrastrukturprobleme wie Stromausfälle oder Schäden nach gravierenden Erdbeben. Der Katastrophenschutzstab entscheidet dann, welche Einheiten in welchem Umfang angefordert werden. So sind angefordertes Personal und Material je nach Lage variabel.

Zuletzt kam der KatS-Zug Mühltal beim Elbe-Hochwasser 2003 in Dessau zum Einsatz. Auch bei der starken Flüchtlingswelle im Spätsommer und Herbst 2015 kamen Kräfte aus Mühltal zum Einsatz, um bei der Errichtung von Erstaufnahmeeinrichtungen in Darmstadt und der Registrierung der Flüchtlinge zu unterstützen.

 

Hier ein Link zum Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: http://www.bbk.bund.de/DE/Home/home_node.html